Klimatag 2014

15. Österreichischer Klimatag, Innsbruck 2014

Herausforderungen an die Siedlungswasserinfrastruktur durch Bevölkerungsänderung und Klimawandel

Christian Mikovits, Alrun Jasper-Tönnies, Matthias Huttenlau, Thomas Einfalt, Wolfgang Rauch, Manfred Kleidorfer

Abstract

Die Leistungsfähigkeit der urbanen Wasserungsinfrastruktur wird in einem hohen Maße durch die von der Oberfläche abflusswirksamen Wassermengen beeinflusst. Niederschlag trifft auf versiegelte Flächen, wird unter Umständen verunreinigt, dann durch die Kanalisation abgeführt und an der Kläranlage behandelt oder über Mischwasserentlastungen in Flüsse abgegeben. Bei Überlastungen der Kanalisation kann es zu lokalen Überflutungen mit entsprechenden Schäden und/oder zur Erhöhung der Mischwasseremissionen mit den daraus resultierenden Beeinträchtigungen der Gewässerqualität kommen. Niederschlagsintensitäten und die Größe und der Versiegelungsgrad der zu entwässernde Flächen sind damit die Haupteinflussfaktoren für die Leistungsfähigkeit bestehender Entwässerungsanlagen. Beide Faktoren unterliegen einem ständigen Wandel.

Wie relevant ist der Klimawandel für die Kanalnetzbemessung? Versuch einer Projektion auf Basis der Entwicklung der letzten 30 Jahre.

Thomas Einfalt, Alrun Jasper-Tönnies, Wolfgang Rauch, Manfred Kleidorfer.

Abstract

Der Klimawandel ist eine Tatsache: Beobachtungen zeigen steigende Temperaturen, zurückgehende Gletscher und Pflanzen und Tiere, die auf der Nordhalbkugel der Erde weiter nach Norden wandern. Deshalb muss der Einfluss des Klimawandels auf die Städte untersucht werden, wo der größte Teil der Weltbevölkerung lebt.
Klimawandelprojektionen für die Mitte des Jahrhunderts zeigen eine Zunahme der Niederschläge im mittleren und nördlichen Europa, insbesondere in den Wintermonaten. Zahlreiche Forschungsprojekte und Veröffentlichungen untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verlässlichkeit von Kanalnetzen, untersuchen Anpassungsstrategien und berechnen Kosten. Klimawandel ist heute ein wichtiges Stichwort für die Beantragung von Forschungsgeldern. Andererseits wird der Klimawandel in der heutigen Ingenieurspraxis selten als treibender Faktor für Bau- oder Anpassungsnahmen angesehen. Andere Erfordernisse an die Wasserinfrastruktur spielen eine wichtigere Rolle: die Reparatur und Rehabilitierung von Kanalnetzen oder ihre Erweiterung in wachsenden Städten scheinen einen höheren Stellenwert für die Entscheidungsfindung für zukünftige Entwicklungen im Netz zu haben. Wie belastbar und wichtig sind also die Ergebnisse aus Klimaprojektionen in der Praxis für die Bemessung von Entwässerungssystemen – und ist es sinnvoll, bereits heute Bemessungsregeln anzupassen?